Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V.

Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V.

Aktuelles

Bundesverdienstkreuz für Regina Steinitz

Bei seinem Staatsbesuch in Israel zeichnete Budnespräsident Steinmeier am 30. Juni 2021 auch vier Israelis mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Darunter befindet sich auch Regina Steinitz, die gemeinsam mit ihrem Mann Zwi wiederholt unser Gast war. In seiner Rede würdigte Steinmeier in bewegenden Worten das Leben und die Erinnerungsarbeit von Regina und Zwi Steinitz.

Aus der Rede des Bundespräsidenten:

"Als Shimon Peres und ich vor über sechs Jahren mit Studenten der Hebräischen Universität zusammentrafen, fragte ihn eine junge Frau: 'Verehrter Shimon Peres, was wird uns die Zukunft bringen?'

Er antwortete ihr in Form einer Geschichte, die sich mir tief eingeprägt hat.

'Die Zukunft', sagte Peres, 'ist wie ein Kampf zweier Wölfe. Der eine ist das Böse, ist Gewalt, Furcht und Unterdrückung. Der andere ist das Gute, ist Frieden, Hoffnung und Gerechtigkeit.'

Und die junge Studentin fragte zurück: 'Und ? wer gewinnt?'

Shimon Peres lächelte und sagte: 'Der, den Du fütterst.'

Liebe Regina Steinitz, auch Sie waren damals, im Jahr 2015, dabei, als Shimon Peres und ich mit all den klugen jungen Studentinnen und Studenten sprachen. Auch Ihr lieber Mann war dabei, mein guter Freund Zwi, der ? dessen bin ich gewiss ? uns heute von dort droben zusieht, mit einem Lächeln auf den Lippen.

Und ich weiß, wie wichtig Ihnen der Kampf um unsere Zukunft ist, den Shimon Peres meinte ? dieser Kampf, in dem das Gute mit dem Bösen ringt ?, denn Sie haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den guten Wolf zu füttern. Die Geschichte ihres Lebens ist Ihr Geschenk an uns alle.

Liebe Regina Steinitz, als Kind mussten Sie unbeschreibliche Schrecken durchleben und doch haben Sie uns davon erzählt.

Als Überlebende der Shoah haben Sie vor zwanzig Jahren die Entscheidung getroffen, davon zu erzählen, und Sie erzählen bis heute immer wieder davon. Sie erzählen davon, was geschehen ist, damit es nicht noch einmal geschieht.

In Ihrer zehnten Lebensdekade erzählen Sie es allen, die bereit sind zuzuhören, und mit besonderer Überzeugung vielen Schülerinnen und Schülern ? gerade aus Deutschland.

In meinem Leben war mir kaum etwas eine so große Ehre wie Ihre Bekanntschaft und Ihre Freundschaft. Ich danke Gott, dass es Ihre Stimme gibt ? und wir alle danken Ihnen, dass Sie Ihre Stimme erheben."

Die vollständige Rede können Sie unter https://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2021/06/210630-Reise-Israel-OV.html nachlesen.

Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt

Nachdem Corona uns letztes Jahr ausgebremst hat, konnten wir uns dieses Jahr endlich wieder aufs Rad schwingen. Diesmal wartete am Ziel sogar noch eine kleine Überraschung auf uns.

Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt

 

Nachdem die Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt im letzten Jahr wegen der Corona-Pandemie leider ausfallen musste, wollen wir dieses Jahr wieder zur Erinnerung an die geglückte Flucht von Rudi Wunderlich auf seiner Fluchtroute quer durch Berlin radeln.

Start: 10 Uhr, Unter den Eichen 126-135, 12205 Berlin

Ziel: Gegen 12 Uhr, Schliemannstr. 9, 10437 Berlin



Videos von der Gedenkveranstaltung am 8. Mai 2021

Trotz der aktuellen Pandemie-Situation, die zu Abstand und Masken zwang, fand die Gedenkveranstaltung am 8. Mai an der "Säule der Gefangenen" statt. Der musikalische Rahmen konnte dieses Jahr nicht wie üblich von Schüler*innen gestaltet werden, die Beteiliegung und Anteilnahme von langjährigen Unterstützern, Vertretern der Botschaften, des politischen und öffentlichen Lebens war groß.

Das erste Video fasst die Highlights zusammen, die folgenden Videos präsentieren eje einen vollständigen Redebeitrag.








Gedenkveranstaltung am 8. Mai 2021

Trotz der Corona-Pandemie wird die Gedenkveranstaltung am 8. Mai dieses Jahr mit etwas gestrafftem Programmablauf stattfinden.

Als Redner*innen erwarten wir dieses Jahr Frau Cornelia Seibeld (Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses) und Herr Dr. Rudolf Welskopf, dessen Mutter seinem Vater bei der Flucht aus dem Außenlager Lichterfelde half; ebenso Nachkommen der Häftlinge Franz Primus und Rudi Wunderlich, denen ebenfalls die Flucht gelang.

An der "Säule der Gefangenen"
Wismarer Straße 26 - 36
12207 Berlin
(am Teltowkanal)

Beginn der Veranstaltung: 12.30
Ende: gegen 13.30

Es gilt während der gesamten Veranstaltung Maskenpflicht und ein Mindestabstand von 1,5 m zu anderen Teilnehmern.

Auf Grund der Pandemie-Situation kann eine Begegnung am Anschluss an die Veranstaltung dieses Jahr leider nicht stattfinden.



Virtuelle Mitgliederversammlung

Am 25.2. fand die Mitgliederversammlung virtuell statt. Erfreulich daran war, das so auch Mitglieder teilnehmen konnten, die nicht (mehr) in Berlin wohnen.


Boris Anatolijewitsch Popov an Covid-19 verstorben

Erst jetzt erreichte uns die Nachricht von seinem Tode. Sein Sohn informierte uns, dass sein Vater Boris Popov am 23. Juni dieses Jahres im Alter von 98 Jahren in Minsk verstorben ist.

Boris Popov geriet bei der Verteidigung seiner Heimat im Juni 1941 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Diese hat er glücklicherweise überlebt. Wir lernten Boris Popov durch den Berliner Verein "KONTAKTE-KOHTAKTbI e.V." kennen und da wir über den Lichterfelder Tellerrand in Bezug auf die Opfergruppe KZ-Häftlinge hinausschauen wollten, haben wir ihn viele Jahre mit seiner Frau Zoya zu der Gedenkfeier am 8. Mai begrüßen können. Sein Wissen über den Krieg und das daraus resultierende Leid hat er interessierten Schülern bei seinen Besuchen in Berliner Schulen unermüdlich weitergegeben.

Lieber Boris, wir danken Dir für Dein Engagement.
Ruhe in Frieden.

P.S.
Wer sich über den Lebens- und Leidensweg von Boris Popov ein Bild machen möchte, dem sei folgender Link empfohlen: https://unrecht-erinnern.info/biografien/boris-popov


Abschied von einem Freund - Zum Tode von Veroslaw Dušek

Unsere Zeitzeugen waren alle schon hoch betagt, als wie sie kennen lernten. Es ist der Lauf der Natur, dass sie inzwischen mehrheitlich verstorben sind. Und trotzdem sind wir unendlich traurig. Die Menschen, die in Deutschland Opfer eines unmenschlichen Regimes wurden, haben uns gezeigt, was Großherzigkeit und Vergebung bedeuten. Über viele Jahre haben sie uns unterstützt und sind unsere Freunde geworden. Deswegen schmerzt es, einem Freund Lebewohl sagen zu müssen.

Wir lernten Veroslav Dušek durch Vermittlung des tschechischen Botschafters kennen. Dessen Engagement hatte auch persönliche Wurzeln, auch dessen Familie hat Menschen im KZ Mauthausen verloren. Veroslav Dušek war als Häftling in Lichterfelde gelandet, weil er als junger Tscheche etwas gegen Hitler unternehmen wollte und in den Widerstand ging. Er wurde entdeckt und verhaftet und wanderte durch verschiedene KZs, bis er nach Lichterfelde kam.

Veroslaw Dušek erzählt über seinen Einsatz in Eiswerder.

Während seiner Gefangenschaft in Lichterfelde war er auch dem Arbeitskommando "Eiswerder" in Spandau zugeteilt worden. Die Spandauer Geschichtswerkstatt zeigte großes Interesse an einer Begegnung von Veroslav mit dortigen Jugendlichen und so war Veroslaw in all den Jahren, in denen er uns die Ehre seines Besuches erwiesen hat, auch dort ein gern gesehener Gast. Er wußte viel zu erzählen und ich glaube und hoffe, dass vieles davon bei den Jugendlichen "hängen" bleiben wird. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich allerdings immer mehr. Schließlich war er nicht mehr reisefähig und konnte nicht mehr nach Berlin kommen. Bei der Beerdigung unseres Freundes Frantisek Gil im vergangenen Jahr habe ich ihn noch einmal wiedersehen können. Wir beide waren glücklich, uns zu sehen. Nun ist auch er von uns gegangen. In unserer IKZ-Familie der Toleranz und der gegenseitigen Achtung wird er fehlen.

Klaus Leutner, ehemaliger Vorsitzender der "Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V."

Buchpräsentation

Wir freuen uns, zur Präsentation des Buches von Klaus Leutner "Das KZ-Außenlager in Berlin-Lichterfelde" einzuladen.

Der Historiker Thomas Irmer wird den Autor und das Buch vorstellen.

Freitag 11. September 2020
15:00 - 17:00
Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf
Kirchstraße 1/3
14163 Berlin

Wegen der begrenzten Platzzahl bitten wir um Anmeldung unter vorsitzender@ikz-lichterfelde.de.

Traurige Nachricht: Veroslav Dušek ist verstorben

Uns erreichte heute die Nachricht, dass Versolav Dušek verstorben ist. Er war Häftling in Lichterfelde und wiederholt unser Gast am 8. Mai. Jetzt ist er am 29. Juli 2020 im Alter von 98 Jahren zu Hause in Lubojaty (Tschechien) verstorben.

Ein Nachruf wird hier in den nächsten Tagen erscheinen.

Ungewöhnliches Gedenken

Am 8. Mai legten Mitglieder des Vorstandes der IKZ im Namen der Opferländer Kränze an der "Säule cder Gefangenen" nieder. Etwa 50 Menschen hatten sich trotz der Absage der Veranstaltung spontan versammelt. Auch Bezirksbürgermeisterin Richter-Kotowski, BVV-Vorsteher Rögner-Franke und Vertreter der in der BVV vertretenen Parteien legten in einer stillen Zeremonie Kränze nieder.

Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt erst wieder 2021

Da für öffentliche Veranstaltungen vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie zur Zeit keine Planungssicherheit besteht, wird die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde ihre jährliche Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt erst wieder im Jahre 2021 durchführen. Die Gedenkfahrt erinnert an die gelückte Flucht von Rudi Wunderlich, der mit einem Fahrrad vom Wirtschaftverwaltungshauptamt in Lichterfelde zur Schliemannstraße in Prenzlauer Berg und damit zugleich in die Freiheit radelte.

Keine öffentliche Gedenkfeier und kein "Nachmittag der Begegnung" am 8. Mai 2020

Auf Grund der aktuellen Situation, in der zum Schutz vor CORVID-19 Zusammenkünfte nicht angezeigt sind, wird die IKZ am 8. Mai in diesem Jahr keine Gedenkfeier veranstalten. Zum ehrenden Gedenken werden zwei Vertreter*inne des Vereins Kränze an der Säule niederlegen und dies dokumentieren. Personen und Institutionen, die zu dem Anlass einen Kranz oder ein Gebinde schicken möchten, setzen sich bitte mit Thomas Schleissing-Niggeman (vorsitzender@ikz-lichterfelde.de) in Verbindung.


Ehrung für Boris Popow

Boris Popow, der als Zeitzeuge durch Vermittlung der IKZ in SChulen von seinen Erfharungen aus der Kriegsgefangenschaft berichtete, ist für seine Tätigkeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Wir freuen uns darüber, dass sein unermüdlicher Einsatz für Verständigung, Frieden und Gerechtigkeit auf diese Weise gewürdigt wurde.




Schwer ist mir ums Herz - František Gil (1925 - 2019)

Noch vor drei Monaten hatten meine Frau und ich ein Wiedersehen mit unserem Freund František Gil an seinem Wohnort in Dolny Lutynie in Tschechien. Nun erreicht uns die Nachricht seines Todes. Ein treuer Wegbegleiter der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde ist von uns gegangen.

František wollte mit jungen Jahren studieren. Das Münchener Abkommen im Jahre 1938 zerstörte die junge tschechoslowakische Republik und damit auch die Hoffnungen vieler junger Menschen der Tschechoslowakei ihr Leben nach ihren Wünschen zu gestalten. Nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren und dem anschließenden Kriegsbeginn fand sich František als Zwangsarbeiter im "Großdeutschen Reich" wieder. Im Zuge des Attentats auf Heydrich wurde seine gesamte Familie, ausgelöst durch den Verrat eines Dorfgeistlichen, verhaftet. Vier Familienmitglieder wurden in den Konzentrationslagern der Deutschen von eben jenen ermordet, darunter seine Mutter. Er selbst kam zunächst in das Männerlager des KZ Ravensbrück, um bald nach Sachsenhausen und von dort in das Außenlager Lichterfelde gebracht zu werden. Über 30 Personen seiner Familie waren KZ-Gefangene. Die ganze Tragödie seiner Familie erfuhr er aber erst nach seiner Rückkehr in die Heimat.

Kennengelernt haben wir František Gil durch eine Initiative des tschechischen Botschafters, der uns seine Adresse übermittelte. Seine Erfahrungen, was ein Aufenthalt in einem KZ bedeutet, hatte er fortan Steglitzer Schülern vermittelt. Da schwang kein Hass, keine Sehnsucht nach Rache und Vergeltung mit. Mancher Schüler ist sicherlich nachdenklich aus dieser Geschichtsstunde mit František herausgegangen. Zunehmendes Alter und Krankheiten machten es ihm unmöglich, weiter zu uns zu kommen. Dafür aber hatten wir während unserer Gedenkstunden an der "Säule der Gefangenen" seine berührenden Grußworte verlesen, die er uns über viele Jahre übermittelte. Seine Gedanken waren oft bei uns, seinen Berliner Freunden von der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde.

  Auch Veroslav Dušek, ebenfalls ehemaliger Häftling in Lichterfelde, nahm im Rollstuhl an der Beerdigung seines Freundes František teil.

Wir nehmen Abschied von einem guten Freund. Eine schmerzhafte Lücke bleibt.

Klaus Leutner
Für die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V.

Wladislaw Nowaczyk

Vor kurzem erreichte uns die Nachricht vom Ableben unseres Freundes Wladislaw Nowaczyk aus Poznan.

Wladislaw war kein Häftling im KZ-Außenlager Lichterfelde, sondern polnischer Zwangsarbeiter in den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Berlin-Reinickendorf.

Ich habe ihn kennengelernt, als ich ihn und andere am Ostbahnhof abholte. Seinen Koffer wollte er, der 89jährige, mir nicht geben. Allein mit der Bemerkung, er würde dann meinen Koffer beim Besuch in Poznan tragen, überließ er ihn mir schließlich.

Zu einem Besuch in Poznan kam es leider nicht.

Ich habe ihn wiederholt bei seinen Besuchen in Schulklassen begleitet; was die Schüler nicht zu fragen wagten, habe ich ihm schließlich entlockt: "Wie war das mit der gestohlenen Jugend. Du warst 17, als sie dich holten. Was hast du als Jugendlicher gemacht?" - "Ich bin gerne geschwommen und sprang von der Eisenbahnbrücke in den Fluss." Mehr konnte ich ihm nicht entlocken.

Wladislaw war ein gern gesehener Gast bei uns zu den Feierlichkeiten um den "Tag der Befreiung" am jeweiligen 8. Mai. Schon seit einiger Zeit war er, auch auf Grund seines hohen Alters, nicht reisefähig und konnte uns nicht mehr besuchen. Im hohen Alter von 95 Jahren ist er nun verstorben.

Wir trauern um ihn.

Thomas Schleissing-Niggemann
Für die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V.

Wir trauern um Zwi Steinitz

Ein guter Freund ist gegangen -
Im Gedenken an Zwi Steinitz

Am 24. August 2019, also gestern, erreichte mich die traurige Nachricht von unserer Regina aus Tel Aviv, dass ihr Mann - unserer Freund Zwi, nach langer, schwerer Krankheit verstorben ist. Jahrelang hatten wir das große Glück und die Ehre ihn, aber auch seine Frau Regina, in unserem Kreis begrüßen zu können. Immer wieder hat er bei uns in Berlin, um den 8. Mai herum, den SchülerInnen von seinen Erlebnissen in Konzentrationslagern - und das waren nicht wenige: Krakow-Plaszow, Auschwitz, Buchenwald, Sachsenhausen - berichtet. Es ging ihm in seinen Gesprächen mit den Menschen, besonders der Jugend, nicht um eine Schuldzuweisung, sondern um die Sensibilisierung, eine Wiederholung solch eines barbarischen Systems nicht zuzulassen. Nun ist ein eindrucksvoller Mahner nicht mehr unter uns. Wer ihn noch einmal wiedersehen möchte, der schaue sich den Film "Die blonde Provinz - Polen und der Rassenwahn" auf Youtube an.

Mir persönlich war er ein wichtiger Gesprächspartner in den vielen Jahren, die wir uns kannten. Waren meine Frau und ich in Israel, so war der Besuch dort ein Besuch bei guten Freunden. Er wird uns allen in guter Erinnerung bleiben.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, insbesondere unserer Regina Steinitz.

Klaus Leutner, ehem. Vorsitzender der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde

Historische Gebäude des KZ-Sachsenburg erhalten!

Während sich die Initiative KZ-Außenlager sehr darüber freuet, dass der erhalt historischer Baracken des Stalag III D nun gesichert ist, wird an anderen Orten um die Bewahrung solcher Erinnerungsorte gerungen. Deshalb hat sich die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V. dem unten stehenden Offenen Brief für eine aktive und partizipative Erinnerungskultur angeschlossen.

Offener Brief für eine aktive und partizipative Erinnerungskultur

"Weil der Mensch Zweck und kein Mittel ist,
wird er sich immer wieder entscheiden müssen. [...]
Unaufhaltsam ergeht die Frage an den Menschen:
Wer bist du, wo stehst du, was ist dein Programm?

Dick de Zeeuw, Überlebender nationalsozialistischer Konzentrationslager

Wir sind ehrenamtliche Arbeitsgemeinschaften, Initiativen und Vereine aus ganz Deutschland, die sich für die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen und deren Opfer einsetzen. Unser Engagement findet unter anderem an den historischen Orten statt, an denen vor mehr als 70 Jahren Menschen verfolgt, entrechtet und ermordet worden sind. Mit unserer Arbeit gestalten wir die Erinnerungskultur aktiv mit. Diese wird nicht nur von den großen Gedenkstätten geprägt, die oftmals selbst aus dem Engagement einzelner Gruppen entstanden sind und nicht selten erkämpft werden mussten. Auch unsere Vereine und Initiativen organisieren Gedenkveranstaltungen, leisten Vermittlungsarbeit, erhalten historische Orte und setzen sich für Demokratie und Menschenrechte ein.

Die Erinnerungskultur entstand und entsteht aus der Gesellschaft heraus: Alle können unsere Arbeit und Inhalte kennenlernen, können aktiv mitwirken und unterstützen, können hinterfragen und diskutieren.

Mit großer Sorge beobachten wir jedoch, dass von politischer und gesellschaftlicher Seite die Erinnerungskultur in Frage gestellt wird. NS-Verbrechen werden kleingeredet und relativiert. Gleichzeitig nehmen Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten zu. Unsere offene und plurale Gesellschaft wird durch Hetze, Rassismus und Antisemitismus in der Öffentlichkeit, im Internet und in den Parlamenten bedroht.

Wir sprechen uns gegen jedwede Versuche der Relativierung und Verharmlosung von NS-Verbrechen und jede Form von Diskriminierung aus.

Auch in Zukunft wollen und werden wir unsere Arbeit fortsetzen und uns für ein angemessenes Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, sowie für die kritische Vermittlung des Geschehenen, seiner Ursachen und Kontinuitäten, einsetzen. Wir werden uns gegen jede Bestrebung stellen, welche die über viele Jahre erarbeitete und oft erkämpfte Gedenkkultur angreift oder versucht, hier eine "Wende" einzuleiten. Vielmehr wollen wir sie weiterentwickeln und die vielfältigen Aspekte der Geschichte sichtbar machen.

So stehen wir aktuell zusammen an der Seite der Geschichtswerkstatt Sachsenburg e.V., welche gegen den Abriss von Originalgebäuden des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenburg und für die Einrichtung einer angemessenen Gedenkstätte kämpft.

Erstunterzeichner*innen

AG Geschichte Döbeln
https://treibhaus-doebeln.de/ag-geschichte/ ag-geschichte@treibhaus-doebeIn.de

AK Ein Mahnmal für das Frauen-KZ in Limmer
https://www.kz-limmer.de/ arbeitskreis@kz-limmer.de

August Gottschalk Haus https://www.august-gottschalk-haus.de/ hinrichs.reitzburg@gmail.com

Bildungsverein Parcours e.V. https://parcours-bildung.org/ info@parcours-bildung.org

Förderverein Gedenkstätte Laura e.V. https://www.kz-laura.de info@kz-laura.de

Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V. http://fk-neuengamme.de/ info@fK-neuengamme.de

Geschichtswerkstatt Sachsenburg e.V. https://gedenkstaette-sachsenburg.de/ info@geschichtswerkstatt-sachsenburg.de

Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde http://www.ikz-lichterfelde.de/ vorsitzender@ikz-lichterfelde.de

Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. http://www.gedenkort-kz-uckermark.de/ initiative@gedenkort-kz-uckermark.de

Jugend für Dora e.V. https://www.jugend-fuer-dora.de/ info@jugend-fuer-dora.de

Spurensuche Harzregion http://www.spurensuche-harzregion.de/ webmaster@spurensuche-harzregion.de

Verein für das Erinnern-KZ Gedenkstätte Mühldorfer Hart http://www.kz-gedenk-mdf.de/ langstein@gmx.eu

Die "Abendschau" berichtet über die Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt 2019

Wir freuen uns sehr, dass die Berliner Abendschau dieses Jahr über die Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt berichtet hat.


Wir trauern um Kåre Wahl aus Norwegen

Kåre Wahl und seine Frau Dora bei der Gedenkveranstaltung am 8. Mai 2008.

Kåre Wahl war Zeitzeuge, Sohn eines Häftlings und wiederholt Gast am 8. Mai an der "Säule der Gefangenen", immer gemeinsam mit seiner Frau Dora. Obwohl er im Rollstuhl saß, nahm er die weite Reise aus Hammerfest auf sich. Die Reisen nach Berlin waren ihm wichtig. Es waren Reisen aus einem ernsten Anlass, die Zeitzeugengespräche auf deutsch in Schulen haben ihm immer viel Freude bereitet und er konnte über den wenig bekannten Krieg im hohen Norden seiner Heimat berichten. Aber er und seine Frau genossen auch die Zeit in Berlin und die Freundschaften, die sich daraus entwickelt haben.

Kåre war noch ein Junge, als sein Vater im fernen Deutschland inhaftiert war. In krakliger Kinderschrift schrieb er Briefe ins Konzentrationslager an den Vater in der Ferne. Er war damit zugleich Zeitzeuge wie Vertreter der Kindergeneration und dieses ung ewöhnliche Schicksal hat ihn geprägt und uns vor Augen geführt, dass mit dem Schicksal jedes einzelnen Häftlings weitere Menschen verknüpft waren und immer noch sind, deren Leben durch die Haft des Vaters, Großvaters, Bruders oder Onkels mit geprägt wurde.

Kåre Wahl ist am 8. Mai 2019 verstorben. Unsere Gedanken sind besonders bei seiner Frau Dora, die ihn so oft nach Berlin begleitet hat. Unser Dank gilt ihr, ihrem Mann und allen, die sich als Kinder, Enkel, Ehepartner oder Freunde auf diese Gemeinschaft des Erinnerns eingelassen haben.

Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt

 

Am 10. Juni 1944 gelang Rudi Wunderlich die Flucht aus dem KZ-Außenlager Lichterfelde - mit einem Fahrrad, das er sich von einem SS-Mann "ausgeborgt" hatte. Durch einen Arbeitseinsatz in der Wohnung des SS-Mannes konnte er diese Flucht vorbereiten. Am 10. Juni 1944 war es soweit: Zivilkleidung lag bereit und seine Fluchthelferin war informiert. Quer durch Berlin radelte Rudi in die Freiheit. Wir erinnern an seine geglückte Flucht und an das Schicksal aller Häftlinge mit einer jährlichen Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt.

Start: 10 Uhr, Unter den Eichen 126 - 135, 12205 Berlin-Steglitz

Ziel: 12 Uhr, Schliemannstr. 9, 10437 Berlin

Einladung zum 8. Mai

Am 8. Mai 2019 veranstaltet die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V. weder eine Gedenkfeier an der "Säule der Gefangenen". Als Rednerinnen werden dieses Jahr Frau Petra Pau, die Vizepräsidentin des Bundestages, und Frau Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der EKBO (Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz), erwartet. Nach der Feier wird es im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf noch ein Beisammensein für Interessierte und Engagierte geben, die sich austauschen, über die Arbeit der IKZ informieren oder einfach nur die Feier bei einer Tasse Kaffee ausklingen lassen wollen. Bei dem Treffen wird die IKZ auch über ihre aktuelle Smartphone-App zu den Außenlagern des KZ-Sachsenhausen in Berlin und den aktuellen Stand bei der Entstehung eines Lern- und Gedenkortes am Standort des ehemaligen Stalag III D in Lichterfelde-Süd informieren.

Gedenkfeier an der "Säule der Gefangenen"

8. Mai 2018, 11 Uhr
Wismarer Str. 26-36
12207 Berlin

Nachmittag der Begegnung

8. Mai 2018, 13 Uhr
Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf
Ostpreußendamm 64
12207 Berlin

Satellite Camps App ist online!

Unsere Smartphone-App zu den Außenlagern des KZ-Sachsenhausen in Berlin ist jetzt online und für iOS und Android verfügbar:

Link für iPhone: https://itunes.apple.com/de/app/satellite-camps/id1449969474?mt=8
Android-Geräte: https://play.google.com/store/apps/details?id=de.ikz.lichterfelde.satellitecamps

In der App werden sechs Außenlager des KZ Sachsenhausen - darunter auch das Außenlager Lichterfelde - exemplarisch vorgestellt. Unter den vorgestellten Zeitzeugen sind auch Gerad de Ruiter, Joseph Snep und Rudi Wunderlich. Die App ist auf Deutsch, Englisch, Arabisch und in Leichter Sprache verfügbar.

Satellite Camps Smartphone App



Broschüre

Die aktuelle Ausgabe unserer Broschüre, die über die Geschichte des Lagers und über die Arbeit des Vereins informiert, gibt es nun auch als eBook. Sie kann im PDF-Format über den Beam eBook-Shop bezogen werden. Die Broschüre ist kostenlos, über eine Spende freuen wir uns aber immer.