Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V.

Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V.

Aktuelles

Schwer ist mir ums Herz - František Gil (1925 - 2019)

Noch vor drei Monaten hatten meine Frau und ich ein Wiedersehen mit unserem Freund František Gil an seinem Wohnort in Dolny Lutynie in Tschechien. Nun erreicht uns die Nachricht seines Todes. Ein treuer Wegbegleiter der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde ist von uns gegangen.

Franti?ek wollte mit jungen Jahren studieren. Das Münchener Abkommen im Jahre 1938 zerstörte die junge tschechoslowakische Republik und damit auch die Hoffnungen vieler junger Menschen der Tschechoslowakei ihr Leben nach ihren Wünschen zu gestalten. Nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren und dem anschließenden Kriegsbeginn fand sich František als Zwangsarbeiter im "Großdeutschen Reich" wieder. Im Zuge des Attentats auf Heydrich wurde seine gesamte Familie, ausgelöst durch den Verrat eines Dorfgeistlichen, verhaftet. Vier Familienmitglieder wurden in den Konzentrationslagern der Deutschen von eben jenen ermordet, darunter seine Mutter. Er selbst kam zunächst in das Männerlager des KZ Ravensbrück, um bald nach Sachsenhausen und von dort in das Außenlager Lichterfelde gebracht zu werden. Über 30 Personen seiner Familie waren KZ-Gefangene. Die ganze Tragödie seiner Familie erfuhr er aber erst nach seiner Rückkehr in die Heimat.

Kennengelernt haben wir František Gil durch eine Initiative des tschechischen Botschafters, der uns seine Adresse übermittelte. Seine Erfahrungen, was ein Aufenthalt in einem KZ bedeutet, hatte er fortan Steglitzer Schülern vermittelt. Da schwang kein Hass, keine Sehnsucht nach Rache und Vergeltung mit. Mancher Schüler ist sicherlich nachdenklich aus dieser Geschichtsstunde mit Franti?ek herausgegangen. Zunehmendes Alter und Krankheiten machten es ihm unmöglich, weiter zu uns zu kommen. Dafür aber hatten wir während unserer Gedenkstunden an der "Säule der Gefangenen" seine berührenden Grußworte verlesen, die er uns über viele Jahre übermittelte. Seine Gedanken waren oft bei uns, seinen Berliner Freunden von der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde.

Wir nehmen Abschied von einem guten Freund. Eine schmerzhafte Lücke bleibt.

Klaus Leutner
Für die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V.

Wladislaw Nowaczyk

Vor kurzem erreichte uns die Nachricht vom Ableben unseres Freundes Wladislaw Nowaczyk aus Poznan.

Wladislaw war kein Häftling im KZ-Außenlager Lichterfelde, sondern polnischer Zwangsarbeiter in den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken in Berlin-Reinickendorf.

Ich habe ihn kennengelernt, als ich ihn und andere am Ostbahnhof abholte. Seinen Koffer wollte er, der 89jährige, mir nicht geben. Allein mit der Bemerkung, er würde dann meinen Koffer beim Besuch in Poznan tragen, überließ er ihn mir schließlich.

Zu einem Besuch in Poznan kam es leider nicht.

Ich habe ihn wiederholt bei seinen Besuchen in Schulklassen begleitet; was die Schüler nicht zu fragen wagten, habe ich ihm schließlich entlockt: ?Wie war das mit der gestohlenen Jugend. Du warst 17, als sie dich holten. Was hast du als Jugendlicher gemacht?? ?Ich bin gerne geschwommen und sprang von der Eisenbahnbrücke in den Fluss.? Mehr konnte ich ihm nicht entlocken.

Wladislaw war ein gern gesehener Gast bei uns zu den Feierlichkeiten um den ?Tag der Befreiung? am jeweiligen 8. Mai. Schon seit einiger Zeit war er, auch auf Grund seines hohen Alters, nicht reisefähig und konnte uns nicht mehr besuchen. Im hohen Alter von 95 Jahren ist er nun verstorben.

Wir trauern um ihn.

Thomas Schleissing-Niggemann
Für die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V.

Wir trauern um Zwi Steinitz

Ein guter Freund ist gegangen -
Im Gedenken an Zwi Steinitz

Am 24. August 2019, also gestern, erreichte mich die traurige Nachricht von unserer Regina aus Tel Aviv, dass ihr Mann - unserer Freund Zwi, nach langer, schwerer Krankheit verstorben ist. Jahrelang hatten wir das große Glück und die Ehre ihn, aber auch seine Frau Regina, in unserem Kreis begrüßen zu können. Immer wieder hat er bei uns in Berlin, um den 8. Mai herum, den SchülerInnen von seinen Erlebnissen in Konzentrationslagern - und das waren nicht wenige: Krakow-Plaszow, Auschwitz, Buchenwald, Sachsenhausen - berichtet. Es ging ihm in seinen Gesprächen mit den Menschen, besonders der Jugend, nicht um eine Schuldzuweisung, sondern um die Sensibilisierung, eine Wiederholung solch eines barbarischen Systems nicht zuzulassen. Nun ist ein eindrucksvoller Mahner nicht mehr unter uns. Wer ihn noch einmal wiedersehen möchte, der schaue sich den Film "Die blonde Provinz - Polen und der Rassenwahn" auf Youtube an.

Mir persönlich war er ein wichtiger Gesprächspartner in den vielen Jahren, die wir uns kannten. Waren meine Frau und ich in Israel, so war der Besuch dort ein Besuch bei guten Freunden. Er wird uns allen in guter Erinnerung bleiben.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, insbesondere unserer Regina Steinitz.

Klaus Leutner, ehem. Vorsitzender der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde

Historische Gebäude des KZ-Sachsenburg erhalten!

Während sich die Initiative KZ-Außenlager sehr darüber freuet, dass der erhalt historischer Baracken des Stalag III D nun gesichert ist, wird an anderen Orten um die Bewahrung solcher Erinnerungsorte gerungen. Deshalb hat sich die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V. dem unten stehenden Offenen Brief für eine aktive und partizipative Erinnerungskultur angeschlossen.

Offener Brief für eine aktive und partizipative Erinnerungskultur

"Weil der Mensch Zweck und kein Mittel ist,
wird er sich immer wieder entscheiden müssen. [...]
Unaufhaltsam ergeht die Frage an den Menschen:
Wer bist du, wo stehst du, was ist dein Programm?

Dick de Zeeuw, Überlebender nationalsozialistischer Konzentrationslager

Wir sind ehrenamtliche Arbeitsgemeinschaften, Initiativen und Vereine aus ganz Deutschland, die sich für die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen und deren Opfer einsetzen. Unser Engagement findet unter anderem an den historischen Orten statt, an denen vor mehr als 70 Jahren Menschen verfolgt, entrechtet und ermordet worden sind. Mit unserer Arbeit gestalten wir die Erinnerungskultur aktiv mit. Diese wird nicht nur von den großen Gedenkstätten geprägt, die oftmals selbst aus dem Engagement einzelner Gruppen entstanden sind und nicht selten erkämpft werden mussten. Auch unsere Vereine und Initiativen organisieren Gedenkveranstaltungen, leisten Vermittlungsarbeit, erhalten historische Orte und setzen sich für Demokratie und Menschenrechte ein.

Die Erinnerungskultur entstand und entsteht aus der Gesellschaft heraus: Alle können unsere Arbeit und Inhalte kennenlernen, können aktiv mitwirken und unterstützen, können hinterfragen und diskutieren.

Mit großer Sorge beobachten wir jedoch, dass von politischer und gesellschaftlicher Seite die Erinnerungskultur in Frage gestellt wird. NS-Verbrechen werden kleingeredet und relativiert. Gleichzeitig nehmen Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten zu. Unsere offene und plurale Gesellschaft wird durch Hetze, Rassismus und Antisemitismus in der Öffentlichkeit, im Internet und in den Parlamenten bedroht.

Wir sprechen uns gegen jedwede Versuche der Relativierung und Verharmlosung von NS-Verbrechen und jede Form von Diskriminierung aus.

Auch in Zukunft wollen und werden wir unsere Arbeit fortsetzen und uns für ein angemessenes Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus, sowie für die kritische Vermittlung des Geschehenen, seiner Ursachen und Kontinuitäten, einsetzen. Wir werden uns gegen jede Bestrebung stellen, welche die über viele Jahre erarbeitete und oft erkämpfte Gedenkkultur angreift oder versucht, hier eine "Wende" einzuleiten. Vielmehr wollen wir sie weiterentwickeln und die vielfältigen Aspekte der Geschichte sichtbar machen.

So stehen wir aktuell zusammen an der Seite der Geschichtswerkstatt Sachsenburg e.V., welche gegen den Abriss von Originalgebäuden des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenburg und für die Einrichtung einer angemessenen Gedenkstätte kämpft.

Erstunterzeichner*innen

AG Geschichte Döbeln
https://treibhaus-doebeln.de/ag-geschichte/ ag-geschichte@treibhaus-doebeIn.de

AK Ein Mahnmal für das Frauen-KZ in Limmer
https://www.kz-limmer.de/ arbeitskreis@kz-limmer.de

August Gottschalk Haus https://www.august-gottschalk-haus.de/ hinrichs.reitzburg@gmail.com

Bildungsverein Parcours e.V. https://parcours-bildung.org/ info@parcours-bildung.org

Förderverein Gedenkstätte Laura e.V. https://www.kz-laura.de info@kz-laura.de

Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V. http://fk-neuengamme.de/ info@fK-neuengamme.de

Geschichtswerkstatt Sachsenburg e.V. https://gedenkstaette-sachsenburg.de/ info@geschichtswerkstatt-sachsenburg.de

Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde http://www.ikz-lichterfelde.de/ vorsitzender@ikz-lichterfelde.de

Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V. http://www.gedenkort-kz-uckermark.de/ initiative@gedenkort-kz-uckermark.de

Jugend für Dora e.V. https://www.jugend-fuer-dora.de/ info@jugend-fuer-dora.de

Spurensuche Harzregion http://www.spurensuche-harzregion.de/ webmaster@spurensuche-harzregion.de

Verein für das Erinnern-KZ Gedenkstätte Mühldorfer Hart http://www.kz-gedenk-mdf.de/ langstein@gmx.eu

Die "Abendschau" berichtet über die Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt 2019

Wir freuen uns sehr, dass die Berliner Abendschau dieses Jahr über die Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt berichtet hat.


Wir trauern um Kåre Wahl aus Norwegen

Kåre Wahl und seine Frau Dora bei der Gedenkveranstaltung am 8. Mai 2008.

Kåre Wahl war Zeitzeuge, Sohn eines Häftlings und wiederholt Gast am 8. Mai an der "Säule der Gefangenen", immer gemeinsam mit seiner Frau Dora. Obwohl er im Rollstuhl saß, nahm er die weite Reise aus Hammerfest auf sich. Die Reisen nach Berlin waren ihm wichtig. Es waren Reisen aus einem ernsten Anlass, die Zeitzeugengespräche auf deutsch in Schulen haben ihm immer viel Freude bereitet und er konnte über den wenig bekannten Krieg im hohen Norden seiner Heimat berichten. Aber er und seine Frau genossen auch die Zeit in Berlin und die Freundschaften, die sich daraus entwickelt haben.

Kåre war noch ein Junge, als sein Vater im fernen Deutschland inhaftiert war. In krakliger Kinderschrift schrieb er Briefe ins Konzentrationslager an den Vater in der Ferne. Er war damit zugleich Zeitzeuge wie Vertreter der Kindergeneration und dieses ung ewöhnliche Schicksal hat ihn geprägt und uns vor Augen geführt, dass mit dem Schicksal jedes einzelnen Häftlings weitere Menschen verknüpft waren und immer noch sind, deren Leben durch die Haft des Vaters, Großvaters, Bruders oder Onkels mit geprägt wurde.

Kåre Wahl ist am 8. Mai 2019 verstorben. Unsere Gedanken sind besonders bei seiner Frau Dora, die ihn so oft nach Berlin begleitet hat. Unser Dank gilt ihr, ihrem Mann und allen, die sich als Kinder, Enkel, Ehepartner oder Freunde auf diese Gemeinschaft des Erinnerns eingelassen haben.

Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt

 

Am 10. Juni 1944 gelang Rudi Wunderlich die Flucht aus dem KZ-Außenlager Lichterfelde - mit einem Fahrrad, das er sich von einem SS-Mann "ausgeborgt" hatte. Durch einen Arbeitseinsatz in der Wohnung des SS-Mannes konnte er diese Flucht vorbereiten. Am 10. Juni 1944 war es soweit: Zivilkleidung lag bereit und seine Fluchthelferin war informiert. Quer durch Berlin radelte Rudi in die Freiheit. Wir erinnern an seine geglückte Flucht und an das Schicksal aller Häftlinge mit einer jährlichen Rudi-Wunderlich-Gedenkfahrt.

Start: 10 Uhr, Unter den Eichen 126 - 135, 12205 Berlin-Steglitz

Ziel: 12 Uhr, Schliemannstr. 9, 10437 Berlin

Einladung zum 8. Mai

Am 8. Mai 2019 veranstaltet die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde e.V. weder eine Gedenkfeier an der "Säule der Gefangenen". Als Rednerinnen werden dieses Jahr Frau Petra Pau, die Vizepräsidentin des Bundestages, und Frau Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der EKBO (Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz), erwartet. Nach der Feier wird es im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf noch ein Beisammensein für Interessierte und Engagierte geben, die sich austauschen, über die Arbeit der IKZ informieren oder einfach nur die Feier bei einer Tasse Kaffee ausklingen lassen wollen. Bei dem Treffen wird die IKZ auch über ihre aktuelle Smartphone-App zu den Außenlagern des KZ-Sachsenhausen in Berlin und den aktuellen Stand bei der Entstehung eines Lern- und Gedenkortes am Standort des ehemaligen Stalag III D in Lichterfelde-Süd informieren.

Gedenkfeier an der "Säule der Gefangenen"

8. Mai 2018, 11 Uhr
Wismarer Str. 26-36
12207 Berlin

Nachmittag der Begegnung

8. Mai 2018, 13 Uhr
Gemeindehaus der Ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf
Ostpreußendamm 64
12207 Berlin

Satellite Camps App ist online!

Unsere Smartphone-App zu den Außenlagern des KZ-Sachsenhausen in Berlin ist jetzt online und für iOS und Android verfügbar:

Link für iPhone: https://itunes.apple.com/de/app/satellite-camps/id1449969474?mt=8
Android-Geräte: https://play.google.com/store/apps/details?id=de.ikz.lichterfelde.satellitecamps

In der App werden sechs Außenlager des KZ Sachsenhausen - darunter auch das Außenlager Lichterfelde - exemplarisch vorgestellt. Unter den vorgestellten Zeitzeugen sind auch Gerad de Ruiter, Joseph Snep und Rudi Wunderlich. Die App ist auf Deutsch, Englisch, Arabisch und in Leichter Sprache verfügbar.

Satellite Camps Smartphone App



Broschüre

Die aktuelle Ausgabe unserer Broschüre, die über die Geschichte des Lagers und über die Arbeit des Vereins informiert, gibt es nun auch als eBook. Sie kann im PDF-Format über den Beam eBook-Shop bezogen werden. Die Broschüre ist kostenlos, über eine Spende freuen wir uns aber immer.